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Das Projekt für Familien in Not: Wem kann ich helfen?
Wir wissen, dass es Afrika schlecht geht. Doch was das heißt, können wir von Europa aus nicht wirklich sehen. Denn wir lesen Zeitung und sehen Fernsehen und wissen nicht, ob das, was uns präsentiert wird, Extrem ist oder Alltag. In dieser Rubrik werde ich einige beispielhafte Schicksale aus meinem Viertel präsentieren - und man sieht, dass die Extreme Alltag sind. Die Menschen in diesen Beispielen haben genau wie viele andere, die beim Zentrum Hilfe gesucht haben, im Moment einfach nicht die Möglichkeiten, ihr Leben mit eigenen Mitteln zu bestreiten. Viele dieser Menschen brauchen direkte Hilfe, um sich aus ihrer konkreten Problemsituation befreien zu können.
Famille Sacko:
Die Familie hat fünf Kinder. Madame Sacko verkauft Bananen, um ihre Familie zu ernähren - wozu man anmerken muss, dass es so gut wie unmöglich ist, durch Bananenverkauf die Nahrung für sieben Personen zu bezahlen. Wenn diese Einnahmequelle die einzige der Familie ist, dann steht fest, dass im Idealfall alle gerade so genug zum Überleben haben. Monsieur Sacko war lange Jahre invalide. Mitte September 2008 ist er gestorben. Es bleibt für sie keine Zeit zu trauern, es bleibt keine Zeit, ihrer starken Religiösität zu entsprechen und die Trauerphase von drei Monaten und zehn Tagen einzuhalten. Denn normalerweise wird ein Mensch in dieser Situation der muslimischen Tradition folgend komplett unter die Obhut der verbleibenden Familie genommen. Doch es bleibt keine Familie, keine Nachbarn, es bleibt niemand, mit dem sie die Verantwortung für die Ernährung ihrer selbst und ihrer Kinder teilen könnte. In dieser Situation hat sie sich an das Zentrum gewendet, als einer der Institutionen im Viertel, bei der man hoffen kann, dass irgendwie eine Lösung gefunden wird..
Familie Diallo:
Die Familie Diallo ist die erste Familie, die über meine Vermittlung Spender gefunden hat, die das Überleben der Familie sichern können. Am 17. Juli hat Madame Diallo unerwartet Drillinge zur Welt gebracht. Am gleichen Tag, zur gleichen Zeit, hat sich ihr Mann bei einem Motorradunfall beide Beine gebrochen, so dass er seiner ohnehin wenig einbringenden Arbeit als Markthändler nie mehr nachgehen können wird. Die Muttermilch reicht nicht, um die Drillinge zu ernähren, doch durch die Arbeitslosigkeit des Vaters reicht das Geld auch nicht, um Milchpulver zuzukaufen. Ohne die Hilfe aus Europa würden die Drillinge die ersten Monate nicht überleben und die älteren Geschwister und die Eltern wären dennoch abhängig von der Hilfsbereitschaft von Nachbarn und Verwandten, die meist selbst nichts haben. Die Sicherstellung der Grundnahrungsmittelversorgung für die gesamte Familie kostet gut 50.000 FrancCFA monatlich, das entspricht knapp 80 Euro.
Bengue Traoré:
Bengue ist fünf Jahre alt - er lebt mit seiner Mutter und seinen sechs Geschwistern in den Ruinen eines Drei-Zimmer-Hauses, wie sie hier in Mali häufig gebaut werden. Nach dem Tod seines Vaters wurden er und seine Familie von den Brüdern des Vaters aus dem Haus vertrieben, mit dem Ziel, das Haus zu verkaufen. Nur durch die Initiative der Nachbarn und das Eingreifen des "Chef du Quartier" (=Chef des Viertels; obwohl er keine offizielle Position in der Kommunalpolitik bekleidet, hat sein Votum sowohl bei inoffiziellen als auch bei offiziellen Entscheidungen enormes Gewicht) konnte der Verkauf des Hauses verhindert werden.
Wenig später ist das schon angeschlagene Haus vom Regen zerstört worden, alle Zimmer sind zusammengefallen. Im Moment lebt Madame Traoré in einem anderen "Haus", dem das gleiche Schicksal droht. Um ihre Kinder zu ernähren, arbeitet sie als Wäscherin. Ich lasse meine Sachen auch bei einer Wäscherin waschen - die Menge einer Waschmaschine kostet etwa 50 Cent, wovon auch noch das Waschmittel bezahlt wird. Von 50 Cent kann man sich ein Baguette kaufen.
Von Spendengeldern würde die Familie die Rohstoffe kaufen, um auf den Ruinen des alten Hauses vier Wände und ein Dach über dem Kopf errichten zu können.
Drei Frauen, 21 Kinder:
Die drei Witwen leben mit insgesamt 21 Kindern in drei Ein- oder Zweizimmerwohnungen. Sie versuchen, ihre Kinder durch den Verkauf von Erdnüssen zu ernähren, die hier in Mali zur Genüge wachsen. Doch es ist offensichtlich, dass sich mit dieser Tätigkeit nicht sieben Kinder pro Frau ernähren lassen - vor allem nicht, wenn man die Anzahl der Erdnussverkäuferinnen auf Bamakos Straßen sieht. Sie sind durch das Hörensagen auf das ADQ-CAMS aufmerksam geworden und haben sich als letzte Hilfe hierhin gewendet, da sie noch nicht einmal die 3000 FrancCFA Miete im Monat zahlen können - das sind keine fünf Euro.
Und eine kleine Anmerkung dazu: Diese Kinder können sich natürlich auch nicht das Schulgeld leisten - 12 Euro maximal. Und selbst wenn, hätten sie keine Bücher, Blätter, Stifte... Und selbst wenn sie nicht in die Schule gehen - es darf absolut niemand krank werden!!!
 
 
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