T O U B A B O U
Es gibt, glaube ich, in jedem afrikanischen Land ein Wort für "Weißer". Hier ist das "Toubabou" (=Franzose) und "Toubab" für die Weißen allgemein. REIZWÖRTER!
Denn während man bei uns schon als Kind eingeprägt bekommt, sich möglichst nichts anmerken zu lassen, wenn einem ein starkpigmentierter Mitbürger begegnet,
rufen einem hier selbst erwachsene Leute "Toubab" hinterher.
Es gibt Momente, da reagiert man auf die Feststellung der Malier, dass man weiße Haut hat, etwas nachdenklich. Ohne dass man irgendwie auf diese Erkenntnis des Offensichtlichen reagieren würde, geht man weiter und fragt sich: Wieso, wo ich doch seit
mittlerweile mehreren Monaten für jedermann gut sichtbar und tausendfach kommentiert durch Bamako laufe, bin ich immer noch eine Attraktion? Man vermag sich
keine Antwort darauf zu geben. In anderen Momenten stellt man sich die gleiche Frage, ist allerdings weniger nachdenklich. Dann denke ich mir "Boah ja, ich
bin zwar weiß, aber WARUM ZUR HÖLLE BIST DU NICHT EINFACH STILL???" Und wenn man schlecht drauf ist, dann erreicht der letzte Teil des Gedankens auch schon
einmal die Schuldigen.
Jetztletzt bin ich zum beispiel in die unvorteilhafte Situation geraten, mit einem großen Sack voll kleiner Plastiksäkchen mit geprüftem Wasser (man trinkt
das Wasser hier immer aus kleinen Plastiksäckchen) vor dem Bauch auf dem Weg nach Hause vom Regen überrascht zu werden. Ich muss auf Lehmstraßen einen Berg
raufrennen, um nach Hause zu kommen. Das sieht verständlicherweise ulkig aus, wenn ein schmächtig gebauter Weißer (denn Malier ungliech Schul- und
Verwaltungsstaatsbürger ungleich dünne Arme) mit einem Sack voll keimfreiem Wasser vor dem Bauch versucht, sein Tagebuch und all die Technical Devices in
seinem Rucksack vor der Sintflut zu retten. Verständlicherweise auch fand ich selbst das allerdings überhaupt nicht lustig und habe die Allgemeinheit das
auch wissen lassen, fluchend "Qu'est-ce qu'il y a à rigoler!?!", was gibt's denn da zu lachen?? Ich wusste zwar, dass ich dem Bild, das ich abgab, damit
selbst das Sahnehäubchen aufsetzte, aber in der Situation konnte ich dann auch nicht anders, als meinem Unmut über derartige Taktlosigkeiten einmal freien Lauf
zu lassen.
Last but not least übersetzt sich ein deutsches "Hey, du" um sich aufmerksam zu machen hier in Mali entweder mit einem komischen Schmatzgeräusch oder mit
"ksss ksss". Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, weil eigentlich wollen die Leute dann wirklich einfach nur, dass man guckt. Ich fühle mich allerdings
immer, als ob man mit mir redet wie meiner Katze. Manchmal ignoriert man dieses Gefühl, manchmal habe ich aber auch schon zu Kindern gesagt, wenn sie Kontakt
zu mir aufnehmen wöllten, sollten sie bitte mit mir kommunizieren wie mit einem Menschen.
Eigentlich tut man ihnen damit zwar Unrecht, denn es war ja gar nicht böse gemeint, aber manchmal müssen sich die Betroffenen dann eben auch den Launen
eines überforderten Europäers beugen ;)