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Draman, ein Betreuer aus dem Zentrum, bei der Zubereitung eines Tees. Diese Prozedur des "aus maximaler Höhe Tee aus der Mini-
Kanne ins Miniglas gießen" ist unverzichtbar, denn die dabei entstehende Schaumkrone auf dem Heißgetränk ist ein ästhetisches
Muss. Gesellschaftsanalytisch betrachtet lässt sich feststellen, dass Schaumkronen offenbar ein kulturübergreifendes Schönheitsideal
darstellen.
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Hier in Mali sind Straßen nicht Orte des effizienten Personen- und Warenverkehrs, sondern sie sind sozusagen das
Wohnzimmer einer ganzen Gesellschaft. Wenn man durch die Straßen geht sitzen überall Leute im kleinen Kreis, die
sich unterhalten - und Tee trinken! Beziehungsweise "Tee trinken" ist eigentlich eine nicht wirklich passende
Beschreibung, denn der Großteil der Zeit wird mit der Zubereitung des Tees verbracht. Nicht so wie bei uns, mit
kleinem Säckchen in heißem Wasser. Der Tee wird hier in kleinen Kannen auf einem Stöfchen mit Kohle gemacht. Die
ganze Zubereitungsprozedur bis dann die erste Runde Tee ausgeschenkt wird dauert ungefähr eine knappe Stunde.
Womit die Zeremonie allerdings noch nicht beendet wäre: Es gibt in der Regel noch zwei weitere Runden, so dass man
insgesamt mit dem "gemütlichen Beisammensein", wie es im Vereinsdeutsch heißt, etwa 2 Stunden beschäftigt ist.
Die Leute treffen sich in der Regel in festen "grains", das heißt "Teeecke". Diese Teeecken sind das malische Synonym
zu Stammtisch, bloß halt ohne Tisch, sondern mit Tee. Die Antworten auf die W-Fragen bezüglich der Teeecke sind eine
Konstante im Leben eines Maliers: Wer? Wann? Wo? Das ändert sich nie, täglich zu gleicher Stunde trifft sich das
gleiche Ensemble an gleicher Stelle, um die Bewegungen im Viertel und in Mali im Allgemeinen zu erörtern.
Für jene Minderheit, die es vorzieht, sich zu fortgeschrittener Stunde in die eigenen vier Wände zurückzuziehen stellt
dies ein großes Problem da, weil es nämlich quasi keine Möglichkeit gibt, den allecklichen Teeecken aus dem Weg zu
gehen. Und so ergibt sich für jeden Passanten eine Quote von etwa 2 Teeeinladungen pro 500 Meter. Das Dilemma, das
sich daraus ergibt, ist, dass man entweder 2 Mal auf 500 Metern enttäuschte Teetrinker zurücklassen muss, die sehr
ungern auf jegliche neue Gesellschaft und Abwechslung verzichten, oder aber dass man diese Enttäuschung vermeidet
und dafür in Kauf nimmt, mit einer Teestunde = zwei Zeitstunden Verschiebung zu Hause anzukommen. Dann sitzt man in
der eingeschworenen Runde, trinkt Tee und würde gerne verstehen, was die meist Bambara-gepolte Gesellschaft so bewegt.
Ich gestehe, dass mich diese Alternative meist zu sehr schreckt, um nicht die Folgen der ersten Lösung trotz eines
schlechten Gewissens einfach hinzunehmen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
 
 
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