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Mali : Menschen - Kultur - Natur - Bilder
 
 

Blick nach draußen
Sehen Sie die Kuhweide?

 

 


So sieht es von innen aus

 

 


Zu schnell für den Photoapparat...


   


S O T R A M A

 


Sozusagen ein Sotrama 20-60 - 20 Leute, 60 Stundenkilometer, TÜV weiß ich nicht ;)

 

Sotrama steht für "Societé de Transport du Mali" (=Malische Transportgesellschaft), hat sich aber mittlerweile zum Sammelbegriff für all die unzähligen kleinen grüne Büsschen gemausert, die wie auf Ameisenstraßen Mensch und Gut an allen Ecken der Hauptstadt miteinander verbinden.

Die Sotramas sind der Motor des Verkehrslebens in der Hauptstadt, sie sind das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel . Etwas Paradox mutet in diesem Zusammenhang die Tatsache an, dass sie meiner Meinung nach auch die größte Gefahr für alle Teilnehmer am Leben auf der Straße darstellen. Denn die Geschwindigkeiten, die ein Sotrama erreicht, können leicht jenseits der sechzig Kilometer pro Stunde liegen - Zeit ist Geld, das hat man verstanden - und da die Nutzung der Bremse sich ebenfalls an dieser alten Weisheit aller brummenden Unternehmen orientiert, kann das unschuldige Wiesengrün eines Sotramas leicht zum letzten Eindruck werden, den man aus seiner irdischen Existenz mitnimmt. Dieses Umstandes ist sich die gesamte Öffentlichkeit voll und ganz bewusst und so kann man sich die Reaktion bei Heranbrausen eines Sotramas in etwa so vorstellen, wie beim "Fahrenden Ritter" in Harry Potter 3, dem alles, ob grundsolide oder lebendig, quasi automatisch aus dem Weg springt. Andernfalls kommt die Hupe zum Einsatz, die trotz intensiver Nutzung viel besser funktioniert als die Bremsen und somit vom Gros der Sotramafahrer als adäquater Ersatz hoch geschätzt wird.

Man sollte jedoch nicht denken, die äußerste Eile, die durch die Fahrweise und das hektische Treiben der Harakiri-Piloten suggeriert wird, führe schneller zum Ziel. Es gibt in der Stadt verschiedene Umschlagplätze für Sotramareisende (siehe rechts. Das ist zwar kein Sotrama- aber ein Taxiplatz). Diese Regionen sind nicht ausgeschildert, sondern man muss sie kennen und um ungefähr zu wissen, wo man letztendlich tatsächlich einsteigen muss um mit dem Sotrama dorthin zu fahren, wo man hin möchte, muss man sich mindestens drei Monate hier aufhalten oder sich einen Malier suchen. Beziehungsweise meistens finden die Malier einen auch so und das ist ganz ohne Ironie wirklich eine sehr angenehme Sache, denn es nimmt einen eigentlich immer ein Einheimischer, der die Misere des Toubabs erfasst hat, an die Hand und führt einem zum gewünschten Reiseausgangspunkt. Dort angekommen setzt man sich in ein Sotrama und wartet. Es kommt leider vor, dass man sehr lange warten muss, denn in ein Büsschen, das ursprünglich für drei Sitzreihen à zwei bis drei Plätze konzipiert war, passen hier zwanzig Personen - eine Sitzbank an jeder Seite des Sotramas. Das steht auch ganz offiziell drauf: "Dieses Sotrama ist bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h für eine maximale Beladung von 20 Personen zugelassen." Gut, dass es da so strenge Beschränkungen gibt, sonst wäre es auch wirklich gefährlich.

Wenn endlich zwanzig Leute zusammengetrommelt sind, die in die gleiche Richtung wollen, wird gepackt. Alle stapeln sich dann: dieses Bein passt noch über jenen Kartoffelkorb und so ist dann auch Platz für das Baby von der Frau, die dort drüben sitzt. Sobald das Baby zu seiner Mutter durchgereicht worden ist, kann es losgehen. (links: verschiedene Sotramas "schießen" aus dem Umschlagplatz) Um Gummi zu sparen, fährt das Sotrama meistens auf zwei Reifen durch die Kurven. Diese Art des ökonomischen Umgangs mit den knappen Ressourcen ist sehr verbreitet. Das mit den Kurven ist zwar etwas übertrieben, aber nachts begegnet einem zum Beispiel jedes zweite Motorrad ohne Licht - "um Benzin zu sparen". Dabei will ich gar nicht über die "Dunkelziffer" nachdenken ;) Jedenfalls brausen die Sotramas dann, wie gesagt, mit beängstigenden Geschwindigkeiten durch die Stadt und während alle Passagiere sich an die nicht umsonst an die Decke geschweißten Metallgriffe klammern, turnt der Lehrling durch das Sotrama und sammelt die 20 Cent ein, die auf diese Weise zur Durchquerung des halben Stadt reichen. Wenn er damit fertig ist hängt er sich aus der mit einem Seil "gesicherten" Öffnung, die die leider nicht mehr vorhandene Schiebetür hinterlassen hat, und sobald ein Platz frei wird verkündet dem Straßenvolk marktschreierisch die Zieldestination dieses grünen Blitzes. Wenn man Pech hat kann es einem dann passieren, das auf 300 Metern Strecke fünf potentielle zahlungswillige Kunden stehen. Selbst wenn diese eigentlich gar kein Intersse an einer Sotramafahrt haben, versucht unser Marktschreier sie von der Sinnhaftigkeit dieser Investition zu überzeugen und das kann mitunter auch mal dreißig Sekunden bis eine Minute dauern. Ich bin davon überzeugt, dass man das angepeilte Plus von 20 Cent auch durch eine material- und umweltfreundlichere Fahrpolitik hätte erzielen und den unwilligen Kunden einfach seiner Wege ziehen lassen können, "aber naja..."

Und so geht es dann den ganzen Tag, die geschäftige Zirkulation auf den Ameisenstraßen, bis sich alles in den späten Abendstunden gemähchlich dem Ende zuneigt - Pilot, Lehrling und Sotrama sammeln ihre Energien für einen neuen Tag voller Geschwindigkeit und Aufregung...

 

 

           

 
 
 
   
© 2008 by Moritz Brandenburger • moritz.brandenburger@t-online.de           
Aktualisiert am 05.01.2012